Gunnar Heinsohn entwickelt dafür in seinem Buch "Söhne und Weltmacht" in einem Kapitel seine Theorie dazu (Hier habe ich Heinsohn'sche Thesen schon mal besprochen). Kein Wunder, dass Heinsohn den europäischen Youth Bulge, nämlich eine gewaltige europäische Bevölkerungsexplosion zwischen 1485 und 1875 dafür verantwortlich macht. Diese Bevölkerungsexplosion eröffnete Europa die Möglichkeit, seine Bevölkerung erobernd, raubend aber auch wirtschaftend in die ganze Welt zu schicken und die europäischen Großreiche aufzubauen.
Eine ähnliche Bevölkerungsexplosion gab es im Islam und in China zu dieser Zeit nicht. Warum?
Heinsohn macht dafür die Hexenverfolgung verantwortlich, die 1450 begann und zwischen 1550 und 1560 ihren Höhepunkt fand. Die Hexenverfolgung sei eben nicht die Verfolgung alter Frauen in schiefen Häusern im Wald gewesen - die als Hexen verfolgten und umgebrachten Frauen waren vor allem Hebammen, die Frauen sowohl dabei halfen, ihre Kinder zu bekommen als auch dafür, sie abzutreiben. Diese Sages Femmes hielten das Wissen über die Geburtenkontrolle.
Dass es den kirchlichen und auch weltlichen Autoritäten dabei weniger um Magie, sondern mehr um die Verhinderung von Abtreibungen und damit der Zerstörung von Wissen über die Geburtenkontrolle geht, dafür spricht laut Heinsohn auch das Verschwinden des Speculums, das im Mittelalter noch bekannt war. Erst 1813 wurde es von Recamier neu erfunden.
So sei auch das berühmteste Werk zur Hexenverfolgung, der Hexenhammer von 1486, vor allem ein Werk gegen die Geburtenkontrolle gewesen. Die siebenfache Hexerei des Hexenhammers, die mit der Todesstrafe zu ahnden war, bestand aus Ehebruch, der "Bewirkung männlicher Begattungsunfähigkeit", Kastration und Sterilisation, Empfängnisverhütung, Sodomie und Homosexulität, Abtreigung und Kindstötung.
Warum sollen die europäischen Fürsten und Kirchenführer an einer solchen systematischen Verfolgung von Hebammen Interesse haben?Die Erklärung findet Heinsohn in der Pestepidemien zwischen 1348 und 1385. Diese Epidemien waren verheerend. Man schätzt, dass dabei ein Drittel der europäischen Bevölkerung umgekommen sei - diese Katastrophe übertrifft bei weitem den ersten und zweiten Weltkrieg. Heinsohn schätzt, dass allein die erste Pestepidemie eine Wirkung von 200 Hiroshimabomben hatte (siehe Grafik, die die europäische Bevölkerungentwicklung zwischen 500 n.Chr. und 1500 zeigt).
Die Wiederbevölkerung Europas war damit zur wichtigsten Aufgabe geworden. Den Preis dafür mussten die Hebammen zahlen. Darüber hinaus kam es zu einem gezielten Vorgehen gegen jede Art der Sexualität, die nicht unmittelbar mit dem Kinderkriegen zu tun hatte.
China und der Islam hatten keine Pestkatastrophe und verloren auch das Wissen um die Geburtenkontrolle nicht. Europa aber expandierte mit seinen Kinderwellen in die Welt.




